vanilla-diamont feat. Emma Watson
Die Saitenwürmer gehören zu den Tiergruppen, die in der Forschung bislang weitestgehend ignoriert wurden. Entsprechend wenig ist über diese Tiergruppe im Vergleich zu anderen Taxa bekannt. Die erste eindeutige Erwähnung fand ein Saitenwurm in der Historia Animalium (1551–1587) von Conrad Gesner. Er bezeichnete die Saitenwürmer nach ihrem volkstümlichen Namen in diesem Werk als Wasserkalb oder auf Latein als Vitulus aquaticus. Zu diesem Zeitpunkt war die typische zweiteilige Namensgebung allerdings noch nicht entwickelt, diese erfolgte in der bekannten 10. Auflage der Systema Naturae von Carl von Linné 1758. Innerhalb der Würmer ordnet er hier auch ein Tier mit dem Namen Gordius aquaticus ein, benannt nach dem Gordischen Knoten. Er bezog sich damit auf ein Zitat von Aldrovandus, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein Knäuel Würmer mit dem berühmten Knoten der griechischen Mythologie verglich.

In der Folgezeit wurden der Gattung Gordius sowohl freilebende Saitenwürmer als auch parasitische Formen der Insekten zugeordnet, letztere wurden 1788 von den freilebenden Gordius-Arten als Filaria abgespalten. Erst durch eine Reihe von neuen Beobachtungen konnte allerdings geklärt werden, dass die Intestinalfilarien mit den freilebenden Würmern identisch waren. So konnte etwa F. Dujardin 1842 beobachten, wie ein Saitenwurm aus einem Insekt in das freie Wasser überging. Er nannte dieses neu entdeckte Tier Mermis und klärte auf, dass zumindest bei diesem Wurm eine parasitische und eine freilebende Entwicklungsphase bestehen. Dass der Mermis allerdings nicht in die Verwandtschaft der Gordius-Arten gehörte, war damals noch unbekannt, erst 1886 wurde er zu den Fadenwürmern (heute in der Familie der Mermithidae) gestellt. 1849 und 1851 konnten von E. Grube und J. Leidy auch die morphologisch abweichenden Larven der Saitenwürmer entdeckt werden. Etwa zur gleichen Zeit wurden auch die ersten Beiträge über die innere Anatomie der Tiere publiziert (F. Dujardin 1842, A. A. Berthold 1843, G. Meissner 1856).

1847 beschrieb Creplin eine zweite Gattung der Saitenwürmer, die er Chordodes nannte; A. E. Verrill (1879) beschrieb als erster einen meereslebenden Saitenwurm, der von ihm den Namen Nectonema agile bekam. Diese Meeressaitenwürmer wurden 1887 von F. Vejdovsky mit den „Gordiacea“ zu den Nematomorpha zusammengefasst. Zum Ende des 19. Jahrhunderts kamen eine Reihe neuer Arten hinzu, die vor allem durch die Expeditionen in verschiedene Erdteile gefunden wurden. Camerano, einer der erfolgreichsten Bearbeiter der Gruppe, führte entsprechend 1897 mit Parachordodes und Paragordius zwei neue Gattungen ein, alle weiteren Gattungsbezeichnungen kamen im Laufe des 20. Jahrhunderts hinzu.

Genauere Kenntnis über die Anatomie der Tiere gewann man erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der verschiedene Saitenwürmer histologisch und mit Hilfe der Transmissionselektronenmikroskopie (TEM) untersucht wurden. Die Rasterelektronenmikroskopie (REM) wurde vor allem für die Identifizierung und Bestimmung der Tiere ein unverzichtbares Werkzeug. Zu den bekanntesten Nematomorphenforschern der heutigen Zeit zählt etwa der in Bielefeld tätige Andreas Schmidt-Rhaesa, der vor allem die evolutiven Zusammenhänge innerhalb der Saitenwürmer aufklären möchte, sowie Ben Hanelt (Lincoln, USA), Fred Thomas (Montpellier, Frankreich) und Cristina de Vilalobros (La Plata, Argentinien).
4.4.07 16:48
 


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